Manchmal wollen Anteile von uns einfach gesehen werden
Viele Menschen kommen mit dem Wunsch, bestimmte Anteile von sich loszuwerden. Sie wollen alte Muster, Ängste oder innere Stimmen endlich hinter sich lassen. Sie hoffen, dass diese Anteile irgendwann verschwinden – oder zumindest still werden.
Aber was, wenn genau das nicht der Weg ist?
Ich kann das verstehen. Was schmerzhaft ist, soll weg, verschwinden, nicht mehr da sein.
Der stille Kampf gegen uns selbst
Viele versuchen, innere Anteile zu bekämpfen. Sie wollen sie klein halten, sie ignorieren oder sie sogar „sterben“ lassen. Dahinter steckt oft der Gedanke: „Wenn ich nur diesen einen Anteil loswerde, dann wird alles besser.“
Doch innere Anteile sind nicht einfach nur Störfaktoren. Sie haben meist eine Geschichte. Sie haben uns irgendwann einmal geschützt, unterstützt oder funktionsfähig gemacht. Und sie reagieren oft empfindlich, wenn wir sie bekämpfen.
Was als Befreiung gedacht war, wird dann schnell zu einem inneren Krieg.
„Wogegen du kämpfst,
dem gibst du Bestand.“
Carl Gustav Jung
Wenn die üblichen Methoden nicht mehr tragen
In der klassischen Anteilsarbeit geht es oft darum, innere Stimmen zu identifizieren, mit ihnen in Kontakt zu treten und sie zu verändern. Das kann hilfreich sein – aber manchmal reicht es nicht.
Denn manche Anteile lassen sich nicht einfach umerziehen oder „heilen“. Sie brauchen etwas anderes: Sie wollen gesehen werden. Nicht nur als Problem, sondern als Teil von uns, der eine Geschichte hat und eine Aufgabe erfüllt.
Beispiele für solche Anteile sind etwa das innere Kind, das nach Sicherheit sucht, der innere Kritiker, der alles kontrollieren will, oder der Perfektionist, der nie genug ist.
Ein Versuch: Anteile-Arbeit 2.0
Genau hier setzt die Arbeit mit Aktiver Imagination an.
Statt Anteile nur zu analysieren oder zu verändern, treten wir mit ihnen in einen echten Dialog. Wir laden sie ein, sich zu zeigen – in Bildern, Szenen und inneren Bewegungen. Wir hören zu, ohne sofort etwas ändern zu wollen.
Dadurch entsteht oft etwas Neues: Die Anteile fangen an, sich selbst zu verändern – nicht weil wir sie dazu zwingen, sondern weil sie sich endlich verstanden fühlen.
Was passiert, wenn wir Anteile nicht mehr bekämpfen
Wer lernt, innere Anteile nicht mehr zu bekämpfen, sondern sie zu begleiten, gewinnt oft etwas zurück, das lange verloren schien: innere Ruhe. Nicht, weil alles plötzlich perfekt ist, sondern weil nichts mehr gegen sich selbst kämpft.
Die Veränderung, die dadurch entsteht, ist oft nachhaltiger. Weil sie nicht erzwungen wurde, sondern aus einem tieferen Verständnis heraus entstanden ist.
Einladung in die Tiefe
Vielleicht ist es Zeit, die Frage nicht mehr zu stellen:
„Wie werde ich diesen Anteil los?“
Sondern stattdessen:
„Was möchte dieser Anteil mir eigentlich zeigen?“ Und dann: Mit ihm in Kontakt treten!
Denn manchmal ist genau das der erste Schritt zu einer Veränderung, die wirklich trägt.