Vor ein paar Tagen bin ich wieder in ein Buch eingetaucht, das mich schon länger begleitet: „Der Heros in tausend Gestalten“ von Joseph Campbell. Besonders das Kapitel über „den Aufbruch“ hat mich diesmal besonders berührt. Campbell beschreibt darin, wie viele große Mythen mit einem Moment beginnen, in dem der Held oder die Heldin einen Ruf hört – und sich entscheidet, die vertraute Welt hinter sich zu lassen.
Was mich dabei besonders bewegt hat, ist die Erkenntnis, dass solche Aufbrüche nicht nur in alten Geschichten vorkommen. Sie geschehen ständig – mitten in unserem ganz normalen Leben. Viele Menschen durchleben Übergänge, Krisen und Veränderungen, ohne zu erkennen, dass sie sich gerade auf einer symbolischen Schwelle befinden. Genau hier kann die Aktive Imagination helfen: Sie lädt uns ein, diese Übergänge bewusst wahrzunehmen und sie nicht nur zu durchleben, sondern aktiv mitzugestalten.
Das Phänomen
Trennung, Krankheit, Jobwechsel, Elternschaft, der Verlust eines geliebten Menschen, ein innerer Konflikt, der nicht mehr ignoriert werden kann – das sind alles klassische Übergänge im Leben. Viele Menschen durchlaufen diese Phasen, ohne zu erkennen, dass sie sich gerade auf einer symbolischen Schwelle befinden. Sie erleben die Veränderung als etwas, das ihnen widerfährt, als etwas Unvorhergesehenes oder gar Bedrohliches. Oft fehlt das Bewusstsein dafür, dass es sich um archetypische Prozesse handelt – um Schwellen, die schon seit jeher Teil des menschlichen Lebens sind.
Stattdessen versuchen viele, diese Übergänge so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Sie suchen nach schnellen Lösungen, rationalen Erklärungen oder Strategien, um wieder „funktionieren“ zu können. Was dabei häufig verloren geht, ist die Möglichkeit, den Übergang als etwas Bedeutsames und Transformierendes zu verstehen.
Was fehlt
Es scheint, als fehle vielen Menschen ein symbolisches Verständnis ihrer Lebensübergänge. Sie durchleben diese Phasen, ohne zu wissen, dass sie sich gerade in einem Übergangsraum befinden – einem Raum, der sowohl Abschied als auch Neuanfang bedeutet. Ohne dieses Verständnis bleiben viele Übergänge unbewusst, ungestaltet und oft auch schmerzhafter, als sie sein müssten.
Der symbolische Blick
Genau hier setzt die Aktive Imagination an. Sie bietet uns die Möglichkeit, Übergänge nicht nur kognitiv zu verstehen, sondern sie auch innerlich zu erleben und symbolisch zu deuten. Statt nur über ein Problem nachzudenken, treten wir in einen Dialog mit unserem Unbewussten. Bilder, Symbole und innere Szenen dürfen entstehen – und diese Bilder tragen oft genau die Informationen, die uns helfen, den aktuellen Übergang besser zu verstehen und ihn bewusst zu gestalten.
Wie die Aktive Imagination konkret hilft
In der Praxis kann das so aussehen: Jemand steht vor einer schwierigen Entscheidung, fühlt sich innerlich zerrissen und weiß nicht, wie es weitergehen soll. In einer Aktiven Imagination taucht plötzlich ein Bild auf – vielleicht ein alter Weg, der sich gabelt, oder ein Haus, das verlassen werden muss. Gemeinsam mit dem Begleiter wird dieses Bild erforscht, verstärkt und verstanden. Oft entstehen dadurch überraschende Einsichten und eine neue innere Klarheit, die mit reinem Nachdenken nicht erreicht worden wäre.
Die Aktive Imagination hilft also nicht nur dabei, Übergänge zu erkennen, sondern sie auch zu durchleben und zu gestalten. Sie gibt uns Zugang zu inneren Ressourcen, die uns in schwierigen Phasen tragen können.
Was sich dadurch verändert
Menschen, die ihre Übergänge bewusst mit Hilfe der Aktiven Imagination begleiten, berichten häufig von mehr innerer Ruhe, größerer Selbstwirksamkeit und einem tieferen Verständnis für sich selbst. Entscheidungen fallen leichter, weil sie nicht mehr nur aus dem Kopf, sondern auch aus der Tiefe getroffen werden. Und nicht selten entsteht das Gefühl, dass der Übergang nicht nur etwas ist, das man „überstehen“ muss, sondern dass er einen wichtigen und sinnvollen Teil des eigenen Lebensweges darstellt.
Abschluss
Joseph Campbell hat einmal gesagt:
„Die Höhle, die du fürchtest zu betreten, birgt den Schatz, den du suchst.“
Die Aktive Imagination ist eine Möglichkeit, diese Höhle bewusst zu betreten – nicht allein, sondern begleitet. Sie lädt uns ein, Übergänge nicht nur zu durchleben, sondern sie als Teil unserer persönlichen Heldinnen- oder Heldenreise zu erkennen und zu gestalten.
Manchmal finden uns die wichtigsten Dinge im Leben, anstatt dass wir sie suchen. Vor rund 14 Jahren war es ein solches Ereignis, das meinen Weg unwiderruflich prägte: Plötzlich tauchte in meinem inneren Erleben ein Bild auf – ein kleines goldenes Fachwerkhaus hinter einer Mauer. Ich wusste damals nicht, dass dies Teil einer „Methode“ war oder dass C.G. Jung über solche Phänomene schrieb. Ich wusste nur, dass dieses Bild eine tiefe Wahrheit in sich trug, die sich mit reiner Logik nicht fassen ließ. Dies war meine erste Begegnung mit der Aktiven Imagination, einer Reise, die mich bis heute begleitet und meine gesamte berufliche Haltung als Coach geformt hat. Diese Erfahrung mit Aktiver Imagination ist der Kern meiner Arbeit und meines Verständnisses für tiefgreifende Entwicklung.
Der unerwartete Ruf aus dem Unbewussten
Diese spontanen inneren Bilder kehrten über Jahre hinweg immer wieder zurück. Sie waren lebendig, oft mit einer körperlichen Resonanz verbunden – sei es ein Druck im Brustkorb, Gänsehaut oder unerklärliche Tränen. Sie forderten eine andere Art des Zuhörens, als es die rationale Analyse zuließ. Parallel zu diesen tiefen inneren Erfahrungen vertiefte ich mein Wissen durch eine Coaching-Ausbildung (M.A.) und eine hypnosystemische Fachausbildung. Diese Kombination aus persönlicher, unmittelbarer Erfahrung und systematischer Ausbildung führte mich behutsam in die Arbeit mit diesen inneren Bildern ein: nicht als reine Technik, sondern als eine zutiefst persönliche Haltung und ein Weg, das Unbewusste zu verstehen.
Die Transformation der Innenwelt: Wenn Bilder zu Lehrern werden
Die Aktive Imagination hat in mir einen tiefgreifenden Prozess angestoßen. Als ich lernte, diese oft eigenmächtigen Bilder zu halten und mit ihnen in Dialog zu treten, veränderte sich mein gesamtes inneres Erleben. Plötzlich wurden Lebensthemen nicht länger nur gedacht oder analysiert. Sie wurden durch die Begegnung mit diesen inneren Figuren und Symbolen erlebt, gefühlt und integriert. Dieser Prozess hat mir eine unschätzbare Klarheit und neuen Mut verliehen. Er bewirkte eine tiefe Verschiebung in meiner Psyche: Ich bin heute weniger getrieben von äußerer Bestätigung und viel stärker geleitet von innerer Resonanz – von dem, was mein innerer Kompass mir zeigt.
Die Eigenmacht der Symbole: Authentizität als Werkzeug
Ein zentrales Learning auf meinem Weg war die Erkenntnis, dass nicht alle inneren Bilder gleich sind. Es gibt Bilder, die wir bewusst im Kopf konstruieren, um etwas zu visualisieren oder zu manifestieren. Und es gibt jene, die spontan aufsteigen, die eine eigene Eigenmacht besitzen. Diese überraschen uns, berühren unseren Körper und bleiben auch nach dem ersten Blick bestehen. Die Fähigkeit, diesen fundamentalen Unterschied zu erkennen und zu würdigen, wurde zu einem meiner wertvollsten Werkzeuge. Sie hat mir nicht nur in meiner eigenen Entwicklung geholfen, sondern erlaubt mir auch, authentisch mit Klientinnen und Klienten zu arbeiten: Ich biete keinen schnellen „Fix“, sondern einen geschützten Raum, in dem echte Symbole des Unbewussten sichtbar und in einem lebendigen Dialog handhabbar werden.
Schärfung der beruflichen Ausrichtung: Der Wegbegleiter mit Aktiver Imagination
Diese intensive Arbeit mit meiner eigenen Innenwelt und die fundierte Ausbildung haben meine berufliche Ausrichtung als Coach maßgeblich geschärft. Ich habe erkannt, dass mein Beitrag nicht darin liegt, eine spezifische Methodik zu „verkaufen“. Mein Beitrag ist es, Menschen zu begleiten, die bereit sind, von innen heraus eine Transformation zu erfahren und ihren wahren Kern zu entfalten.
Das hat meinen USP (Unique Selling Proposition) klar geprägt: eine einzigartige Verbindung aus meiner tief gelebten Erfahrung mit der Aktiven Imagination, meiner hypnosystemischen Praxis und meiner tiefenpsychologischen Fundierung. Meine Haltung ist dabei entscheidend: Ich sehe mich nicht als Guru oder fertigen Experten, sondern als Mit-Reisenden, der Räume hält, die Impulse des Unbewussten liest und Klienten dabei unterstützt, kleine, reale Schritte aus ihren inneren Bildern abzuleiten. Diese Authentizität und die Bereitschaft, den eigenen Prozess zu zeigen, schafft Vertrauen und Resonanz, wie ich erst kürzlich wieder erleben durfte.
Die Reise geht weiter: Ein fortwährendes Erwachen
Die Aktive Imagination ist für mich zu einem Ankerpunkt auf meinem Individuationsweg geworden. Sie ist eine fortwährende Einladung, dem inneren Erleben Raum zu geben, den Schatten zu integrieren und das Selbst immer tiefer zu erkunden. Es ist ein Weg des fortwährenden Erwachens, den ich mit Leidenschaft gehe – und auf dem ich Sie gerne begleite, wenn Ihr eigener Ruf nach innen immer lauter wird.
Am 1. Januar 2016 war es soweit: Ich habe mich entschieden, mich selbständig als Coach zu machen. Nun, neun Jahre später, möchte ich auf diese besondere Reise zurückblicken. Was hat mich angetrieben? Welche Herausforderungen habe ich gemeistert? Und was habe ich gelernt? In diesem Blogartikel teile ich meine Erfahrungen und gebe einen Einblick in die Höhen und Tiefen meiner Selbständigkeit.
Rückblick: Mein Weg in die Selbständigkeit als Coach
Schon während meiner Coaching-Ausbildung vor 15 Jahren war für mich klar: Ich möchte selbständig als Coach arbeiten. Doch der Weg dorthin war voller Herausforderungen. Zweifel begleiteten mich – nicht nur von außen, sondern auch in mir selbst. Dennoch war da ein inneres Vertrauen, das mich vorantrieb.
Während meiner Ausbildung zum hypnosystemischen Coach ergab sich die Möglichkeit, eine Praxis zu übernehmen. Gemeinsam mit Kolleginnen gründete ich eine Praxisgemeinschaft. Behördengänge, die Gestaltung einer Webseite und der Umzug in neue Räumlichkeiten – all das war aufregend und lehrreich. Am 1. Januar 2016 war es dann soweit: Ich ging den Schritt in die Selbständigkeit.
Das Wort „selbständig kann auch bedeuten,
ständig man selbst zu sein.
Benjamin Lang
Überblick: Warum ich mich die Selbständigkeit als Coach entschieden habe
Es gibt diesen Spruch: „Selbständig – selbst und ständig.“ Aber für mich bedeutet Selbständigkeit so viel mehr: „Selbständig – ständig man selbst.“
In meiner Arbeit als Coach geht es nicht nur darum, anderen zu helfen, ihre Ziele zu erreichen – es ist ein Weg, mich selbst zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Meine persönliche und berufliche Entwicklung sind untrennbar miteinander verbunden. Jede Herausforderung, die ich mit Klient:innen bespreche, hält auch einen Spiegel für mich bereit.
Das ist einer der Gründe, warum ich die Selbständigkeit gewählt habe: Ich möchte authentisch leben und arbeiten. Ich schätze die Freiheit, meinen Arbeitsalltag so zu gestalten, wie es zu meinen Werten und Zielen passt. Dabei ist mir besonders wichtig, dass ich die Veränderung, die ich anderen ermögliche, auch selbst vorlebe.
Ein weiterer Aspekt meines „Warum“ ist die Möglichkeit, andere Menschen wirklich zu unterstützen – ob in persönlichen Krisen, beruflichen Herausforderungen oder auf ihrem eigenen Weg in die Selbständigkeit. Es erfüllt mich, zu sehen, wie Klient:innen ihre Potenziale entdecken und nutzen.
Meine Arbeit ist also nicht nur Beruf, sondern Berufung. Sie bietet mir Raum, ich selbst zu sein, mich weiterzuentwickeln und gleichzeitig etwas Positives in der Welt zu bewirken.
Ausblick: Wohin geht meine Reise?
Ich möchte neue Workshops entwickeln und Mitarbeitende einstellen. Mein Ziel ist es, ein eigenes Unternehmen zu gründen – eine Vision, die mich weiterhin antreibt. Außerdem entsteht gerade eine Kooperation mit einer lieben Kollegin. Ich bin gespannt, welche neuen Wege sich auftun.
Danke!
Dankbarkeit war und ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Sie verändert nicht nur unsere Perspektive, sondern auch unser Wohlbefinden. Gerald Hüther beschreibt, wie Dankbarkeit unser Gehirn positiv beeinflusst, und eine Studie (Wood, Froh, Geraghty, 2010) zeigt: Menschen, die Dankbarkeit erfahren oder teilen, sind psychisch und physisch gesünder.
Auch Adam Grant, Organisationspsychologe, hat in seinen Studien festgestellt: Menschen, die geben, sind langfristig erfolgreicher. Dieses Geben stärkt nicht nur den Einzelnen, sondern auch die Gemeinschaft.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle ein aufrichtiges Danke sagen: an alle, die mich in den letzten neun Jahren begleitet und unterstützt haben. Sei es durch Empfehlungen, Inspirationen oder gemeinsamen Austausch – ihr alle habt dazu beigetragen, dass ich wachsen und meinen Weg gehen konnte.