Warum wir uns besser um unser Auto kümmern als um uns selbst

Coaching 25. Juni 2026
Warnsignale des Körpers und der Psyche – warum wir sie oft ignorieren

Wenn beim Auto eine Warnleuchte aufleuchtet, reagieren die meisten von uns sofort. Wir fahren in die Werkstatt, lassen es checken und kümmern uns um das Problem. Niemand würde auf die Idee kommen, einfach weiterzufahren und zu hoffen, dass es von allein besser wird.

Bei uns selbst sieht das oft anders aus.

Wenn wir müde sind, gereizt, unkonzentriert oder innerlich leer – dann funktionieren wir meist trotzdem weiter. Wir ignorieren die Warnsignale unseres Körpers und unserer Psyche und hoffen, dass es irgendwann wieder besser wird. Dabei wissen wir eigentlich ganz genau, dass dauerhaftes Ignorieren langfristig zu größeren Problemen führen kann.

Viele Menschen behandeln ihr Auto pfleglicher als sich selbst. Sie achten auf Ölstand, Reifendruck und Inspektionstermine – aber übersehen, wenn ihr eigener „Tank“ leer ist. Sie merken, dass sie sich verändern: weniger Freude, mehr Reizbarkeit, innere Leere oder das Gefühl, nur noch zu funktionieren. Und trotzdem machen sie weiter.

Dieses „Weitermachen um jeden Preis“ ist in unserer Gesellschaft tief verankert. Wer sich zurücknimmt, gilt oft als schwach. Wer Grenzen setzt, wird manchmal als unzuverlässig wahrgenommen. Also bleiben viele in einem Modus, der sie langfristig auslaugt.

Was den meisten fehlt, ist ein Bewusstsein für die eigenen Warnsignale. Wir haben gelernt, äußere Probleme wahrzunehmen und zu lösen – aber nicht, die Signale unseres eigenen Systems ernst zu nehmen. Dabei sind diese Signale oft sehr klar: Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, innere Unruhe, das Gefühl, „nicht mehr richtig da zu sein“.

Solange wir diese Signale ignorieren, bleiben wir in einem Zustand, der uns langfristig schadet – körperlich, emotional und oft auch in unseren Beziehungen und unserer Arbeit.

Genau hier kann die Aktive Imagination einen wichtigen Unterschied machen.

Statt nur über das Problem nachzudenken, treten wir in einen Dialog mit unserem Unbewussten. Bilder, Symbole und innere Szenen dürfen entstehen – und diese Bilder tragen oft genau die Informationen, die wir brauchen. Sie zeigen uns, wo es eng wird, was uns fehlt oder was wir schon lange übergehen.

In der Praxis kann das so aussehen: Jemand spürt seit Monaten eine innere Leere, weiß aber nicht, woher sie kommt. In einer Aktiven Imagination taucht plötzlich das Bild eines ausgetrockneten Flusses auf. Gemeinsam wird dieses Bild erforscht – und es zeigt sich, dass die Person seit langer Zeit ihre eigenen Bedürfnisse ignoriert und sich nur noch um andere kümmert.

Solche Bilder sind oft überraschend klar und helfen dabei, die eigenen Warnsignale nicht nur zu erkennen, sondern auch ernst zu nehmen.

Wer lernt, seine eigenen Warnsignale wahrzunehmen und ernst zu nehmen, gewinnt oft mehr innere Ruhe, bessere Selbstwahrnehmung und mehr Handlungsfähigkeit. Entscheidungen fallen leichter, weil sie nicht mehr nur aus dem Kopf, sondern auch aus der Tiefe getroffen werden. Und nicht selten entsteht das Gefühl, dass man sich selbst wieder wichtiger nimmt – nicht aus Egoismus, sondern aus Verantwortung.

Unser Auto bekommen wir regelmäßig in die Inspektion. Unser Körper und unsere Psyche bekommen oft nur dann Aufmerksamkeit, wenn es schon zu spät ist.

Vielleicht ist es an der Zeit, die Warnleuchten unseres eigenen Systems genauso ernst zu nehmen wie die unseres Autos. Nicht erst dann, wenn die Batterie leer ist – sondern schon davor.