Viele Menschen kämpfen. Nicht gegen andere. Sondern gegen sich selbst.
Sie kämpfen gegen ihre Müdigkeit, gegen ihre Ängste, gegen ihre Bedürfnisse. Sie kämpfen gegen Teile von sich, die sie als schwach, zu viel oder nicht passend empfinden. Und oft tun sie das so lange, bis sie selbst nicht mehr spüren, dass sie gegen sich kämpfen.
Wenn der Kampf zur Normalität wird
Viele Menschen haben gelernt, dass es normal ist, sich selbst zu übergehen. Sie ignorieren, wenn sie müde sind. Sie schämen sich für ihre Bedürfnisse. Sie halten sich für zu empfindlich, zu langsam, zu emotional. Und so entsteht ein stiller, oft unbewusster Kampf – gegen das, was in ihnen ist.
Dieser Kampf fühlt sich nicht immer dramatisch an. Er fühlt sich oft einfach nur an wie Alltag. Wie Funktionieren. Wie „Ich muss jetzt einfach weiter“.
Was hinter dem Kampf steckt
Hinter diesem stillen Kampf steckt meist etwas sehr Menschliches: der Wunsch, akzeptiert zu werden. Der Wunsch, nicht zu enttäuschen. Der Wunsch, sicher zu sein. Viele innere Anteile haben gelernt, dass sie nur dann „erlaubt“ sind, wenn sie nützlich, stark oder angepasst erscheinen.
Und so entsteht ein inneres System, in dem Teile von uns gegen andere Teile kämpfen. Der eine Teil will vorankommen. Der andere Teil will endlich ruhen. Der eine Teil will alles unter Kontrolle halten. Der andere Teil spürt: Es geht nicht mehr.
Was oft fehlt
Was vielen fehlt, ist nicht die Fähigkeit, sich zu verändern. Sondern die Fähigkeit, sich selbst nicht mehr bekämpfen zu müssen. Viele Menschen haben gelernt, dass Veränderung nur durch Druck, Disziplin oder Selbstkritik möglich ist. Doch genau dieser Druck hält den Kampf oft am Leben.
Was fehlt, ist die Erfahrung, dass Veränderung auch aus Verständnis entstehen kann. Dass ein Teil von uns sich nicht verändern muss, weil er falsch ist – sondern weil er endlich gesehen und verstanden wird.
Was sich verändert, wenn der Kampf endet
Wer aufhört, gegen sich selbst zu kämpfen, gewinnt oft etwas zurück, das lange verloren schien: innere Ruhe. Nicht, weil plötzlich alles perfekt ist. Sondern weil nichts mehr gegen sich selbst steht.
Die Veränderung, die dadurch entsteht, ist oft nachhaltiger. Weil sie nicht erzwungen wurde, sondern aus einem tieferen Verständnis heraus entstanden ist. Weil sie nicht aus Angst, sondern aus Verbindung entstanden ist.
Einladung
Vielleicht ist es Zeit, die Frage nicht mehr zu stellen: „Wie werde ich diesen Teil von mir los?“
Sondern stattdessen: „Was möchte dieser Teil mir eigentlich zeigen – und was braucht er wirklich?“
Denn manchmal ist genau das der erste Schritt zu einer Veränderung, die wirklich trägt.
Viele Menschen, die mit inneren Anteilen arbeiten, kennen das Gefühl: Man identifiziert einen Anteil, spricht mit ihm, versucht ihn zu verändern – und doch bleibt oft etwas zurück. Der Anteil wird kleiner, aber nicht wirklich frei. Die alte Dynamik kehrt irgendwann wieder.
In der klassischen Anteilsarbeit geht es meist darum, innere Stimmen zu erkennen, mit ihnen in Kontakt zu treten und sie zu verändern. Das kann hilfreich sein. Doch viele Menschen erleben, dass sich manche Anteile nicht einfach „heilen“ oder umerziehen lassen.
Sie bleiben in ihrer alten Funktion – auch wenn sie längst nicht mehr gebraucht wird. Sie kämpfen weiter, obwohl der Kampf längst vorbei sein könnte.
Was Anteile-Arbeit 2.0 anders macht
Anteile-Arbeit 2.0 basiert auf der Arbeit mit Aktiver Imagination. Statt Anteile nur zu analysieren oder zu verändern, treten wir mit ihnen in einen echten, respektvollen Dialog.
Wir laden sie ein, sich in Bildern, Szenen und inneren Bewegungen zu zeigen. Wir hören zu, ohne sofort etwas ändern zu wollen. Und genau dadurch entsteht oft etwas Neues: Die Anteile verändern sich nicht, weil wir sie dazu zwingen – sondern weil sie sich endlich verstanden fühlen.
Ein anderer Umgang mit inneren Teilen
In der Anteile-Arbeit 2.0 geht es nicht darum, Anteile loszuwerden oder sie zum Schweigen zu bringen. Es geht darum, sie tief zu begleiten – auch dann, wenn sie laut, fordernd oder alt sind.
Dabei entsteht oft eine überraschende Wirkung: Die Anteile fangen an, sich selbst zu verändern. Nicht weil sie müssen, sondern weil sie dürfen. Weil sie gesehen werden, statt bekämpft zu werden.
Was sich dadurch verändert
Wer lernt, innere Anteile nicht mehr zu bekämpfen, sondern sie tief zu begleiten, gewinnt oft etwas zurück, das lange verloren schien: innere Freiheit. Nicht, weil alles plötzlich harmonisch ist, sondern weil nichts mehr gegen sich selbst kämpft.
Die Veränderung, die dadurch entsteht, ist oft nachhaltiger. Weil sie nicht erzwungen wurde, sondern aus einem tieferen Verständnis heraus entstanden ist.
Einladung
Vielleicht ist es Zeit, die Frage nicht mehr zu stellen: „Wie werde ich diesen Anteil los?“
Sondern stattdessen: „Was möchte dieser Anteil mir eigentlich zeigen – und was braucht er wirklich?“
Denn manchmal ist genau das der erste Schritt zu einer Veränderung, die wirklich trägt.
Viele Menschen kommen mit dem Wunsch, bestimmte Anteile von sich loszuwerden. Sie wollen alte Muster, Ängste oder innere Stimmen endlich hinter sich lassen. Sie hoffen, dass diese Anteile irgendwann verschwinden – oder zumindest still werden.
Aber was, wenn genau das nicht der Weg ist?
Ich kann das verstehen. Was schmerzhaft ist, soll weg, verschwinden, nicht mehr da sein.
Der stille Kampf gegen uns selbst
Viele versuchen, innere Anteile zu bekämpfen. Sie wollen sie klein halten, sie ignorieren oder sie sogar „sterben“ lassen. Dahinter steckt oft der Gedanke: „Wenn ich nur diesen einen Anteil loswerde, dann wird alles besser.“
Doch innere Anteile sind nicht einfach nur Störfaktoren. Sie haben meist eine Geschichte. Sie haben uns irgendwann einmal geschützt, unterstützt oder funktionsfähig gemacht. Und sie reagieren oft empfindlich, wenn wir sie bekämpfen.
Was als Befreiung gedacht war, wird dann schnell zu einem inneren Krieg.
„Wogegen du kämpfst,
dem gibst du Bestand.“
Carl Gustav Jung
Wenn die üblichen Methoden nicht mehr tragen
In der klassischen Anteilsarbeit geht es oft darum, innere Stimmen zu identifizieren, mit ihnen in Kontakt zu treten und sie zu verändern. Das kann hilfreich sein – aber manchmal reicht es nicht.
Denn manche Anteile lassen sich nicht einfach umerziehen oder „heilen“. Sie brauchen etwas anderes: Sie wollen gesehen werden. Nicht nur als Problem, sondern als Teil von uns, der eine Geschichte hat und eine Aufgabe erfüllt.
Beispiele für solche Anteile sind etwa das innere Kind, das nach Sicherheit sucht, der innere Kritiker, der alles kontrollieren will, oder der Perfektionist, der nie genug ist.
Statt Anteile nur zu analysieren oder zu verändern, treten wir mit ihnen in einen echten Dialog. Wir laden sie ein, sich zu zeigen – in Bildern, Szenen und inneren Bewegungen. Wir hören zu, ohne sofort etwas ändern zu wollen.
Dadurch entsteht oft etwas Neues: Die Anteile fangen an, sich selbst zu verändern – nicht weil wir sie dazu zwingen, sondern weil sie sich endlich verstanden fühlen.
Was passiert, wenn wir Anteile nicht mehr bekämpfen
Wer lernt, innere Anteile nicht mehr zu bekämpfen, sondern sie zu begleiten, gewinnt oft etwas zurück, das lange verloren schien: innere Ruhe. Nicht, weil alles plötzlich perfekt ist, sondern weil nichts mehr gegen sich selbst kämpft.
Die Veränderung, die dadurch entsteht, ist oft nachhaltiger. Weil sie nicht erzwungen wurde, sondern aus einem tieferen Verständnis heraus entstanden ist.
Einladung in die Tiefe
Vielleicht ist es Zeit, die Frage nicht mehr zu stellen: „Wie werde ich diesen Anteil los?“
Sondern stattdessen: „Was möchte dieser Anteil mir eigentlich zeigen?“ Und dann: Mit ihm in Kontakt treten!
Denn manchmal ist genau das der erste Schritt zu einer Veränderung, die wirklich trägt.
Wenn beim Auto eine Warnleuchte aufleuchtet, reagieren die meisten von uns sofort. Wir fahren in die Werkstatt, lassen es checken und kümmern uns um das Problem. Niemand würde auf die Idee kommen, einfach weiterzufahren und zu hoffen, dass es von allein besser wird.
Bei uns selbst sieht das oft anders aus.
Wenn wir müde sind, gereizt, unkonzentriert oder innerlich leer – dann funktionieren wir meist trotzdem weiter. Wir ignorieren die Warnsignale unseres Körpers und unserer Psyche und hoffen, dass es irgendwann wieder besser wird. Dabei wissen wir eigentlich ganz genau, dass dauerhaftes Ignorieren langfristig zu größeren Problemen führen kann.
Der blinde Fleck
Viele Menschen behandeln ihr Auto pfleglicher als sich selbst. Sie achten auf Ölstand, Reifendruck und Inspektionstermine – aber übersehen, wenn ihr eigener „Tank“ leer ist. Sie merken, dass sie sich verändern: weniger Freude, mehr Reizbarkeit, innere Leere oder das Gefühl, nur noch zu funktionieren. Und trotzdem machen sie weiter.
Dieses „Weitermachen um jeden Preis“ ist in unserer Gesellschaft tief verankert. Wer sich zurücknimmt, gilt oft als schwach. Wer Grenzen setzt, wird manchmal als unzuverlässig wahrgenommen. Also bleiben viele in einem Modus, der sie langfristig auslaugt.
Was wir übersehen
Was den meisten fehlt, ist ein Bewusstsein für die eigenen Warnsignale. Wir haben gelernt, äußere Probleme wahrzunehmen und zu lösen – aber nicht, die Signale unseres eigenen Systems ernst zu nehmen. Dabei sind diese Signale oft sehr klar: Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, innere Unruhe, das Gefühl, „nicht mehr richtig da zu sein“.
Solange wir diese Signale ignorieren, bleiben wir in einem Zustand, der uns langfristig schadet – körperlich, emotional und oft auch in unseren Beziehungen und unserer Arbeit.
Ein anderer Zugang
Genau hier kann die Aktive Imagination einen wichtigen Unterschied machen.
Statt nur über das Problem nachzudenken, treten wir in einen Dialog mit unserem Unbewussten. Bilder, Symbole und innere Szenen dürfen entstehen – und diese Bilder tragen oft genau die Informationen, die wir brauchen. Sie zeigen uns, wo es eng wird, was uns fehlt oder was wir schon lange übergehen.
In der Praxis kann das so aussehen: Jemand spürt seit Monaten eine innere Leere, weiß aber nicht, woher sie kommt. In einer Aktiven Imagination taucht plötzlich das Bild eines ausgetrockneten Flusses auf. Gemeinsam wird dieses Bild erforscht – und es zeigt sich, dass die Person seit langer Zeit ihre eigenen Bedürfnisse ignoriert und sich nur noch um andere kümmert.
Solche Bilder sind oft überraschend klar und helfen dabei, die eigenen Warnsignale nicht nur zu erkennen, sondern auch ernst zu nehmen.
Was sich verändert
Wer lernt, seine eigenen Warnsignale wahrzunehmen und ernst zu nehmen, gewinnt oft mehr innere Ruhe, bessere Selbstwahrnehmung und mehr Handlungsfähigkeit. Entscheidungen fallen leichter, weil sie nicht mehr nur aus dem Kopf, sondern auch aus der Tiefe getroffen werden. Und nicht selten entsteht das Gefühl, dass man sich selbst wieder wichtiger nimmt – nicht aus Egoismus, sondern aus Verantwortung.
Einladung
Unser Auto bekommen wir regelmäßig in die Inspektion. Unser Körper und unsere Psyche bekommen oft nur dann Aufmerksamkeit, wenn es schon zu spät ist.
Vielleicht ist es an der Zeit, die Warnleuchten unseres eigenen Systems genauso ernst zu nehmen wie die unseres Autos. Nicht erst dann, wenn die Batterie leer ist – sondern schon davor.
Manchmal kommen Menschen an einen Punkt, an dem Nachdenken allein nicht mehr weiterführt.
Sie haben vieles verstanden. Sie können ihre Situation analysieren. Sie wissen vielleicht sogar ziemlich genau, woher bestimmte Muster kommen. Und trotzdem verändert sich innerlich wenig.
Etwas bleibt unberührt.
Es ist, als würde der Kopf längst sprechen, aber eine tiefere Schicht in uns schweigt noch. Oder anders gesagt: Wir haben viele Erklärungen, aber noch keinen wirklichen Kontakt zu dem, was innerlich wirksam ist.
Genau an dieser Stelle kann die Frage entstehen: Wann ist eigentlich der Moment für das Gespräch mit dem Unbewussten?
Wenn das Leben sich „runtergedimmt“ anfühlt
Viele Menschen beschreiben diesen Punkt nicht mit großen dramatischen Worten. Es ist oft leiser.
Sie sagen nicht unbedingt: „Ich bin in einer Krise.“ Sondern eher:
„Ich funktioniere, aber ich fühle mich nicht wirklich lebendig.“ „Irgendwie stimmt mein Leben, aber es stimmt nicht für mich.“ „Ich habe das Gefühl, ich bin runtergedimmt.“ „Ich habe schon so viel reflektiert, aber ich komme nicht an den eigentlichen Kern.“
Das sind für mich wichtige Hinweise.
Nicht jede innere Unruhe braucht sofort eine Methode. Nicht jede Unsicherheit ist ein Zeichen für einen tiefen Prozess. Aber wenn bestimmte Fragen, Gefühle, Träume, Bilder oder Körperempfindungen immer wieder auftauchen, lohnt es sich, genauer hinzuhören.
Das Unbewusste meldet sich selten wie eine klare E-Mail mit Betreffzeile. Es spricht eher in Andeutungen: in inneren Bildern, Stimmungen, Wiederholungen, Träumen, Widerständen oder Körperempfindungen.
Ein Bild von einer Wand. Eine Tür, die sich nicht öffnen lässt. Ein Raum, der leer wirkt. Ein Weg, der plötzlich endet. Oder einfach dieses diffuse Gefühl: „So wie bisher geht es nicht weiter.“
Solche inneren Bilder sind keine fertigen Antworten. Aber sie können Türen sein.
Das Unbewusste lässt sich nicht befehlen
Ein wichtiger Punkt ist mir dabei sehr wichtig: Das Gespräch mit dem Unbewussten lässt sich nicht erzwingen.
Aktive Imagination bedeutet nicht, dass ich mich hinsetze und mir auf Knopfdruck eine Lösung aus dem Inneren hole. Es ist kein Orakel. Keine magische Technik. Und auch kein Ersatz für Therapie, wenn therapeutische Begleitung notwendig ist.
Für mich ist Aktive Imagination ein behutsamer, fachlich gerahmter Zugang zu inneren Bildern und unbewussten Dynamiken.
Es geht nicht darum, schöne Fantasien zu produzieren. Es geht auch nicht darum, jedes Bild sofort zu deuten. Und es geht schon gar nicht darum, sich inneren Bildern blind zu unterwerfen.
Ein inneres Bild sagt nicht: „Du musst jetzt genau das tun.“ Es lädt eher ein zu fragen: „Was zeigt sich hier?“ „Was will gehört werden?“ „Welche innere Bewegung wird sichtbar?“ „Was in mir steht gerade in Beziehung zueinander?“
Das Ich bleibt dabei wichtig. Es soll nicht ausgeschaltet werden. Im Gegenteil: Es braucht ein waches, präsentes Ich, das zuhört, prüft, nachfragt und den Kontakt zum Alltag hält.
Der Moment für den Dialog
Der Moment für das Gespräch mit dem Unbewussten ist oft dann gekommen, wenn reine Kontrolle nicht mehr trägt.
Wenn Denken, Planen und Funktionieren zwar noch funktionieren, aber keine echte innere Zustimmung mehr erzeugen.
Wenn du merkst, dass du immer wieder um dieselbe Frage kreist.
Wenn du spürst, dass du zwar weißt, wovon du weg möchtest, aber noch nicht, wohin es dich eigentlich zieht.
Wenn du das Gefühl hast, dass in dir etwas anklopft, aber du noch keine Sprache dafür hast.
Dann kann Aktive Imagination ein Weg sein, dieser inneren Sprache näherzukommen.
Nicht als schnelle Lösung. Nicht als Heilsversprechen. Sondern als Möglichkeit, wieder in Kontakt zu kommen mit dem, was im Inneren vielleicht schon länger wirksam ist.
Vom Bild zum Dialog
In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder: Der entscheidende Moment ist nicht unbedingt das erste Bild.
Das erste Bild ist oft nur der Anfang.
Entscheidend wird es, wenn wir lernen, mit diesem Bild in Beziehung zu treten.
Was geschieht, wenn ich bei der Wand bleibe, statt sie sofort weghaben zu wollen? Was passiert, wenn ich die verschlossene Tür nicht aufbreche, sondern frage, was sie schützt? Was verändert sich, wenn ich einem inneren Widerstand nicht sofort misstraue, sondern ihn als Teil des Systems ernst nehme?
Auf diese Weise kann aus einem inneren Bild ein Dialog entstehen. Und aus diesem Dialog manchmal ein neuer Zugang zu Bedürfnissen, Grenzen, Sehnsüchten oder bisher übergangenen Anteilen.
Das ist keine spektakuläre Abkürzung. Eher ein behutsames Hinhören.
Aber manchmal beginnt genau dort etwas, das vorher nicht erreichbar war.
In diesem Workshop geht es um die Vertiefung der Aktiven Imagination und um Fragen wie:
Wann ist der richtige Moment für den Dialog mit dem Unbewussten?
Welche Fragen erreichen tiefere innere Schichten wirklich?
Wie können innere Bilder auftauchen, ohne sie zu erzwingen?
Wie lässt sich das Erlebte anschließend in den Alltag übersetzen?
Der Workshop richtet sich an Menschen, die spüren, dass ihr Leben sich gerade „runtergedimmt“ oder inkongruent anfühlt — und die bereit sind, tiefer mit sich selbst in Kontakt zu kommen.
Wir arbeiten in einer kleinen Gruppe mit maximal 12 Personen.
Datum: 06.06.2026 Uhrzeit: 10–17 Uhr Ort: Kassel Preis: 159 € Reduzierter Preis für Teilnehmende vom 28.03.: 139 € Anmeldung: per E-Mail
Wenn du merkst, dass dich dieses Thema anspricht, schreib mir gern eine Nachricht oder E-Mail. Dann sende ich dir alle weiteren Informationen.
Manchmal beginnt Veränderung nicht mit einer neuen Antwort. Sondern mit der Bereitschaft, einer inneren Stimme wirklich zuzuhören.
Überall lesen wir, wie wichtig es ist, Grenzen zu setzen. „Du musst lernen, Nein zu sagen.“ „Schütze deine Energie.“ „Zieh klare Grenzen.“ Und ja: Das ist wichtig. Ein erstes, oft notwendiges Signal.
Aber wir sollten dabei etwas nicht verwechseln: Nein sagen allein ist noch keine Selbstverwirklichung. Es ist zunächst Abgrenzung. Und Abgrenzung ist nicht dasselbe wie ein lebendiger Kontakt zu dem, was wir wirklich wollen.
Wenn das Nein nur noch schützt
Viele Menschen kommen an einen Punkt, an dem sie zwar schon vieles abgewehrt haben, innerlich aber trotzdem leer sind. Sie wissen sehr genau, was sie nicht mehr möchten: keine Überforderung, keine Daueranspannung, keine Erwartungen von außen, die sie weiter auslaugen.
Doch genau an dieser Stelle entsteht oft eine Leerstelle. Denn wenn das Nein nur noch schützt, aber nichts Neues auftaucht, bleibt das Leben im Rückzug stehen. Dann wird das Abgrenzen zwar immer klarer, aber die innere Richtung noch nicht sichtbarer.
Das kann sich so anfühlen, als würde man nur noch funktionieren: Man hält aus, man vermeidet, man verteidigt sich. Aber das innere Feuer bleibt aus.
Selbstverwirklichung beginnt anders
Wahre Selbstverwirklichung – oder, mit C. G. Jung gesprochen, Individuation – beginnt dort, wo wir nicht nur wissen, was wir nicht mehr wollen, sondern spüren, was wir wirklich wollen.
Das ist ein anderer Bewegungsimpuls. Nicht: „Wovon muss ich weg?“ Sondern: „Wohin zieht es mich?“ Nicht nur: „Wogegen setze ich mich ab?“ Sondern: „Wofür brenne ich wieder?“
Genau hier beginnt aus meiner Sicht Entwicklung. Denn echte Veränderung braucht nicht nur Klarheit über Grenzen, sondern auch Kontakt zu innerer Lebendigkeit, Motivation und Sinn.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ich erlebe das gerade intensiv in meiner Arbeit mit Klient:innen. Ein aktueller Klient kam in einem Zustand tiefer Erschöpfung zu mir. Sein Satz war sehr klar: „Ich halte das alles nur noch aus, aber ich habe keine Kraft mehr.“
Von außen hatte er bereits viele Neins ausgesprochen. Er hatte sich abgegrenzt, vieles nicht mehr zugelassen, einiges auch bewusst zurückgewiesen. Und doch war innerlich kein Aufbruch da. Kein Funke. Kein Gefühl von Richtung.
In der gemeinsamen Arbeit mit Aktiver Imagination geschah dann etwas Entscheidendes. Schon nach der ersten Sitzung tauchten Bilder auf, die ihm nicht zeigten, was er loslassen soll, sondern was er beleben möchte. Das war der eigentliche Wendepunkt.
Plötzlich ging es nicht mehr nur um Verzicht oder Schutz, sondern um innere Bewegung. Aus „Ich halte aus“ wurde langsam: „Ich habe die Motivation, etwas grundlegend zu verändern.“
Warum dieser Shift so wichtig ist
Dieser Wandel passiert nicht einfach durch mehr Disziplin oder bessere Grenzen. Er wird möglich, wenn wir aufhören, nur gegen das Außen zu kämpfen, und beginnen, mit der inneren Weisheit in Kontakt zu treten.
Die Aktive Imagination kann genau dabei helfen. Sie öffnet einen Raum, in dem nicht nur Probleme benannt werden, sondern Bilder, Impulse und Richtungen auftauchen können. Manchmal zeigt sich dort nicht zuerst die Lösung, sondern zunächst einmal ein lebendiger Kern. Und genau dieser Kern kann neue Kraft freisetzen.
Das ist für mich ein entscheidender Unterschied: Nicht nur „Was soll ich nicht mehr tun?“ sondern „Was will in mir wieder lebendig werden?“
Grenzen setzen bleibt wichtig
Das heißt nicht, dass Abgrenzung unwichtig wäre. Im Gegenteil: Ohne ein klares Nein geht oft vieles unter. Wer nie Grenzen setzt, verliert sich schnell in Erwartungen, Pflichten und Überforderung.
Aber Grenzen sind nur die eine Hälfte der Bewegung. Die andere Hälfte ist die Hinwendung zum Eigenen. Erst beides zusammen macht Entwicklung rund: das Nein, das schützt, und das Ja, das trägt.
Selbstverwirklichung beginnt also nicht beim Widerstand allein, sondern beim Kontakt mit dem, was nach dem Widerstand kommen will.
Ein Raum für den inneren Dialog
Wenn du spürst, dass Funktionieren und Abgrenzen allein nicht mehr reichen, dann ist das kein Zeichen von Schwäche. Es kann ein Hinweis sein, dass in dir bereits etwas Neues auf den Weg bringen will.
Genau dafür schaffen wir am 06.06. in meinem Workshop einen Raum: für den Dialog mit dem Inneren, für Bilder, die etwas in Bewegung bringen, und für die Frage, was in dir wirklich belebt werden möchte.
Denn manchmal beginnt Selbstverwirklichung nicht mit einem noch lauteren Nein, sondern mit einem ersten ehrlichen Hinhören.
Wenn der Verstand die Reißleine zieht, wird es oft gerade erst interessant. Genau das beobachte ich in meiner aktuellen Arbeit mit Probeklient:innen immer wieder — besonders dort, wo ich Aktive Imagination nach C. G. Jung tiefer in mein Coaching-Repertoire integriere.
Was mich dabei überrascht, ist nicht nur die fachliche Tiefe, sondern auch die menschliche Dimension. Denn in der Arbeit mit dem Unbewussten gibt es einen Moment, der für mich besonders bedeutsam geworden ist: genau dann, wenn es emotional echt wird, meldet sich der Verstand oft mit aller Kraft zu Wort.
Was Widerstand im Coaching auslösen kann
Ein inneres Bild bekommt plötzlich Wucht. Tränen steigen auf. Etwas wird berührt, das nicht mehr nur interessant, sondern wahr ist. Und genau in diesem Moment tauchen oft Sätze auf wie:
„Ach, das habe ich mir jetzt doch nur ausgedacht, oder?“
„Was fange ich jetzt damit an?“
„Ist das nicht eigentlich total banal?“
Solche Reaktionen sind mir in den letzten Wochen mehrfach begegnet. Früher hätte ich vielleicht gedacht, dass ich methodisch etwas nicht gut geführt habe oder dass der Kontakt zum inneren Material abgerissen ist. Heute sehe ich das anders.
Warum der Verstand sich zurückzieht
Ich erlebe diesen Widerstand im Coaching inzwischen eher als Hinweis denn als Problem. Wenn der Verstand die Situation relativiert, analysiert oder abwertet, ist das oft ein Schutzmechanismus. Das Ich versucht, wieder Kontrolle zu gewinnen, wenn das Unbewusste etwas zeigt, das zu nah, zu intensiv oder zu wenig kontrollierbar erscheint.
Gerade im Coaching ist das ein wichtiger Punkt. Nicht jeder Widerstand bedeutet, dass ein Prozess falsch läuft. Manchmal bedeutet er genau das Gegenteil: Etwas Relevantes ist berührt worden. Etwas ist in Bewegung gekommen, das bisher unter der Oberfläche lag.
Mein Learning als Coach
Mein wichtigstes Learning ist: Ich muss diesen Widerstand im Coaching nicht wegargumentieren. Ich muss ihn nicht bekämpfen. Und ich muss ihn auch nicht sofort auflösen.
Ich darf ihn benennen. Und den Raum halten. Außerdem darf ich warten, bis sich etwas beruhigt und die innere Neugier wieder größer wird als die Angst. Genau darin liegt für mich eine neue Qualität von Coaching: nicht vorschnell zu deuten, sondern präsent zu bleiben.
Gerade hochreflektierte Menschen erleben diesen Moment oft besonders deutlich. Sie sind es gewohnt, schnell einzuordnen, zu analysieren und zu verstehen. Doch genau dann kann der Kopf zum Schutzraum werden — nicht weil nichts passiert, sondern weil gerade sehr viel passiert.
Widerstand als Schwellenmoment
Ich beginne Widerstand im Coaching inzwischen als Schwelle zu sehen. Als Moment, in dem sich zeigt, dass ein innerer Prozess an Tiefe gewinnt. Dass das Ich nicht nur neugierig ist, sondern auch bedroht. Dass etwas im Inneren berührt wurde, das nicht sofort in Worte passt.
Diese Sicht verändert meine Haltung als Coach. Ich muss nicht schneller sein als der Prozess. Ich muss nicht mehr wissen als der Moment hergibt. Ich darf den Raum halten, damit sich das, was gesehen werden will, überhaupt zeigen kann.
Was ich aus der Aktiven Imagination lerne
Die Aktive Imagination nach C. G. Jung vertieft für mich genau diese Haltung. Sie lädt dazu ein, dem Unbewussten zuzuhören, statt es sofort zu kontrollieren. Und sie zeigt mir immer wieder: Die spannendsten Momente beginnen oft genau dort, wo der Verstand uns kurz zurückziehen will.
Wenn also ein inneres Bild klein geredet, zeranalysiert oder entwertet wird, dann ist das nicht automatisch ein Zeichen gegen den Prozess. Es kann ein Zeichen dafür sein, dass etwas sehr Nahes, sehr Echtes berührt wurde.
Und genau dort wird es aus meiner Sicht interessant.
Ein erster Workshop zu einem Thema ist immer etwas Besonderes. Für mich war es der erste Workshop zur Aktiven Imagination – und damit nicht nur ein fachlicher, sondern auch ein sehr persönlicher Moment. Ich wollte den Teilnehmenden eine Methode zeigen, die ihnen helfen kann, wieder mehr mit sich selbst in Kontakt zu kommen. Gleichzeitig war mir wichtig, meine eigene Positionierung und meine fachliche Expertise sichtbar zu machen.
Warum mir dieser Workshop wichtig war
Bei diesem ersten Workshop ging es mir um zwei Dinge, die für mich eng zusammengehören. Zum einen wollte ich zeigen, dass Aktive Imagination mehr ist als eine spannende Theorie oder eine interessante Technik. Sie kann ein Weg sein, wieder mit inneren Bildern, Empfindungen und unbewussten Anteilen in Kontakt zu kommen.
Zum anderen war es mir wichtig, mit diesem Workshop auch zu zeigen, wofür ich fachlich stehe. Für mich gehört dazu, dass ich Inhalte nicht nur vermittle, sondern sie auch in einen klaren psychologischen Rahmen einordne. Der Workshop war deshalb auch ein Schritt, meine Expertise nach außen sichtbar zu machen.
Wie der Workshop aufgebaut war
Der Workshop war bewusst in zwei Teile gegliedert. Zuerst haben wir uns mit theoretischen Grundlagen der Analytischen Psychologie beschäftigt. Dazu gehörten unter anderem die Komplextheorie, Archetypen und das Kollektive Unbewusste. Diese Begriffe bilden für mich ein wichtiges Fundament, um die Methode der Aktiven Imagination überhaupt verstehen zu können.
Im zweiten Teil haben wir die Methode selbst kurz theoretisch angeschaut und dann gemeinsam eine erste kleine Aktive Imagination praktisch durchgeführt. Mir war wichtig, dass die Teilnehmenden nicht nur hören, was Aktive Imagination ist, sondern sie auch in einer ersten, gut gehaltenen Form selbst erleben können. Gerade diese Kombination aus Theorie und Praxis hat sich für mich als sehr stimmig gezeigt.
Was mich besonders beeindruckt hat
Am meisten beeindruckt hat mich, wie viele Teilnehmende während der Imagination tatsächlich etwas wahrnehmen konnten. Ein Großteil der Gruppe konnte etwas Unbewusstes sehen oder innerlich erleben. Viele berichteten von sehr eindrücklichen Erfahrungen, die sie nicht nur im Workshop selbst, sondern teilweise noch Tage später beschäftigten.
Für mich war das ein starkes Signal. Es hat mir gezeigt, dass die Methode nicht abstrakt bleibt, sondern bei vielen Menschen sehr schnell in eine lebendige Erfahrung führen kann. Genau das macht für mich die besondere Qualität der Aktiven Imagination aus. Sie bleibt nicht im Kopf, sondern berührt etwas Tieferes.
Was ich daraus mitnehme
Eine wichtige Erkenntnis aus diesem ersten Workshop ist für mich: Schon die Vorstellung der Methode kann bei Menschen sehr unterschiedliche Reaktionen auslösen. Für manche wirkt sie zunächst eher „spooky“, also ungewohnt oder schwer einzuordnen. Für andere ist sie faszinierend, mystisch und direkt anziehend.
Beides ist für mich völlig nachvollziehbar. Gerade weil Aktive Imagination mit inneren Bildern, Unbewusstem und Symbolen arbeitet, löst sie nicht bei allen Menschen sofort das gleiche Gefühl aus. Das nehme ich als wichtige Erfahrung mit – auch für zukünftige Workshops. Es hilft mir, noch klarer zu erklären, worum es geht, und gleichzeitig Raum für die eigene Resonanz der Teilnehmenden zu lassen.
Was zukünftige Teilnehmende erwarten können
Wenn du überlegst, an einem Workshop zur Aktiven Imagination teilzunehmen, dann kann ich dir sagen: Es geht nicht um komplizierte Theorie allein, aber auch nicht nur um ein oberflächliches Ausprobieren. Beides gehört zusammen. Der theoretische Rahmen schafft Orientierung, die praktische Erfahrung öffnet den Zugang zur eigenen inneren Welt.
Gerade für Menschen, die sich nach mehr Selbsterkenntnis, mehr Kontakt zu sich selbst oder nach einem neuen Zugang zu ihren inneren Bildern sehnen, kann so ein Workshop sehr bereichernd sein. Und vielleicht ist genau das das Spannende: dass etwas zunächst Ungewohntes am Ende sehr persönlich und bedeutsam werden kann.
Ausblick
Mein erster Workshop zur Aktiven Imagination war für mich in vielerlei Hinsicht ein besonderer Auftakt. Er hat mir gezeigt, dass die Methode Menschen berühren kann, wenn sie gut vermittelt und behutsam angeleitet wird. Und er hat mir bestätigt, dass ich mit diesem Thema fachlich und persönlich auf einem stimmigen Weg bin.
Für mich war es ein erster, sehr lebendiger Schritt. Und vielleicht ist es für die Teilnehmenden genau das gewesen: ein erster Kontakt mit einer Methode, die Türen öffnen kann – zu mehr Selbstkontakt, mehr Tiefe und mehr innerer Klarheit. Eine erfreuliche Nachricht zum Schluss: Demnächst findet ein Impulsabend mit mir am Systemischen Institut zum Thema Aktive Imagination statt.
Authentizität ist zu einem dieser großen Worte geworden, die überall auftauchen – in Persönlichkeitsentwicklung, Führung, Coaching, Social Media. Alle wollen „authentisch“ sein. Aber wenn wir ehrlich sind, merken viele: Zwischen Innen und Außen klafft oft eine Lücke.
Wenn man innen traurig ist und außen lächelt
Wie oft bist du innerlich traurig, müde oder verunsichert – und zeigst nach außen etwas ganz anderes? Wie oft trägst du die Maske der Stärke, um zu signalisieren: „Alles im Griff“?
Wir lernen früh, dass bestimmte Gefühle „stören“: Traurigkeit, Angst, Wut, Scham. Also packen wir sie weg, funktionieren, lächeln. Für andere sieht das dann stabil, souverän oder „professionell“ aus. Innen fühlt es sich aber häufig anders an: leer, abgeschnitten, erschöpft.
Die Frage ist nicht, ob wir Masken tragen – das tun wir alle. Spannend wird es, wenn wir uns ehrlich fragen: Wie lange schon? Und wem zuliebe mache ich das eigentlich?
Was Authentizität ursprünglich bedeutet
„Authentizität“ bedeutet ursprünglich nichts Großes, sondern etwas sehr Einfaches: Echtheit.
Echt sein heißt nicht, jederzeit jede Emotion ungefiltert nach außen zu kippen. Aber es bedeutet, dass Innen- und Außenwelt sich nicht komplett widersprechen.
Bin ich noch echt, wenn ich mich schwach fühle, aber nach außen stark inszeniere?
Bin ich noch echt, wenn ich wütend bin, aber andere freundlich anlächele?
Kurzfristig kann es sinnvoll sein, Gefühle zu regulieren – zum Beispiel in einem Meeting oder in einer Krisensituation. Problematisch wird es, wenn die Diskrepanz zwischen Innen und Außen zum Dauerzustand wird. Dann entsteht eine Spannung, die auf Dauer krank machen kann: psychisch, körperlich oder in Beziehungen.
Was es mit uns macht, wenn wir nicht authentisch sind
Aus vielen Studien und aus der Praxis wissen wir: Dauerhafte emotionale Inkongruenz – also etwas anderes zu zeigen, als wir fühlen – kostet enorm viel Energie. Sie kann:
innere Erschöpfung verstärken
das Gefühl von Entfremdung von sich selbst fördern
Beziehungen oberflächlich und brüchig machen
Und sie sendet eine subtile Botschaft nach innen: „So wie du bist, darfst du nicht sein.“ Das ist das Gegenteil von innerer Verbundenheit.
Jung: Wenn das Ich sich dem Selbst annähert
Carl Gustav Jung hat Authentizität nicht als Lifestyle-Option beschrieben, sondern als Entwicklungsweg. Wenn wir uns entscheiden, authentischer sein zu wollen, dann bedeutet das in seiner Sprache: Das Ich nähert sich dem Selbst an.
Das Selbst steht bei Jung für etwas Größeres und Umfassenderes in uns – für unsere Ganzheit, für das, was wir im Tiefsten sind. Das Ich ist die bewusste Instanz, die im Alltag Entscheidungen trifft, „ich“ sagt, Rollen übernimmt.
Wenn das Ich sich dem Selbst annähert, dann passiert etwas Spannendes:
Wir beginnen, auch unbequeme Anteile wahrzunehmen.
Wir hören den Stimmen in uns zu, die wir bisher weggedrückt haben.
Wir richten unser Handeln mehr an dem aus, was stimmig ist, statt nur an dem, was erwartet wird.
Authentizität ist in diesem Sinne kein Zustand, den man einmal erreicht und dann abhakt. Es ist ein Prozess – ein Dialog zwischen Ich und Selbst, zwischen dem, was sichtbar ist, und dem, was unter der Oberfläche wirkt.
Authentischer werden – ohne alles stehen und liegen zu lassen
Vielleicht kennst du den Impuls, nach dem Motto zu handeln: „Ab jetzt bin ich radikal authentisch, koste es, was es wolle.“ Das klingt mutig, ist aber oft weder realistisch noch hilfreich.
Ein sanfterer Weg könnte so aussehen:
Einen kleinen Moment am Tag finden, in dem du dir ehrlich eingestehst, wie es dir geht.
Eine Person im Leben haben, bei der du die Maske bewusst ein Stück abnehmen darfst.
In bestimmten Situationen ein Prozent mehr Wahrheit sagen – erst mal dir selbst gegenüber.
Authentizität bedeutet nicht, alle Rollen aufzugeben. Es bedeutet, dass du weißt, wer hinter den Rollen steht – und dass dieser Mensch sich wiedererkennen kann in dem, was er sagt und tut.
Große Worte, kleine Schritte
„Authentizität“, „Echtheit“, „Ich und Selbst“ – das klingt schnell groß und schwer. Vielleicht darf es kleiner anfangen. Mit der Frage:
Wo in meinem Leben ist die Lücke zwischen Innen und Außen gerade am größten?
Und: Welchen ersten, sehr kleinen Schritt könnte ich gehen, damit diese Lücke ein wenig kleiner wird?
Wenn du magst, begleite ich dich gern dabei, deinen eigenen Weg zu mehr innerer Stimmigkeit zu finden – mit Methoden wie Aktiver Imagination und einem klaren Blick auf deine Rollen, Masken und echten Bedürfnisse.
Seit fünf Monaten bringe ich mir die Aktive Imagination selbst bei – in der eigenen Praxis, mit Fachliteratur, Notizen und vielen inneren Bildern. An diesem Wochenende kam etwas Entscheidendes dazu: eine Fortbildung in Aktiver Imagination, die meinem Weg einen fundierten Unterbau gegeben hat.
Mein Weg vor der Aktiven Imagination Fortbildung
Bevor ich in die Aktive Imagination Fortbildung gestartet bin, war ich schon mittendrin: Ich hatte über Monate selbst imaginativ gearbeitet, Bilder protokolliert, reflektiert und ihre Wirkung auf meinen Alltag beobachtet. Theoretisches Wissen kam aus Büchern, Artikeln und meiner eigenen psychologischen Ausbildung – das Praktische entstand im Selbsterleben.
In dieser Zeit habe ich gemerkt, wie stark innere Bilder auf mein Erleben, meine Entscheidungen und meine Coaching-Haltung wirken. Gleichzeitig spürte ich: Ich möchte das, was ich intuitiv tue, besser verstehen und sauber einordnen können – für mich und für die Menschen, die ich begleite.
Wenn Selbststudium ein solides Fundament bekommt
Genau hier setzte die Aktive Imagination Fortbildung an. Plötzlich hatten viele Dinge, die ich bereits praktiziert hatte, Namen, Modelle und einen klaren Rahmen. Die Mischung aus Theorie und Selbsterfahrung machte spürbar, warum es mehr braucht als nur „innere Bilder anschauen“
Wir arbeiteten mit Grundlagen der Analytischen Psychologie nach C. G. Jung, mit Symbolverständnis und der Frage, welche Voraussetzungen ein stabiles Ich für diesen Dialog mit dem Unbewussten braucht. Für mich war das wie ein solides Fundament unter ein Haus zu setzen, das ich bereits bewohne – plötzlich wurde tragfähig, was vorher eher provisorisch wirkte.
Eine starke Imagination zum Abschluss
Besonders eindrücklich war die Abschluss-Imagination des Wochenendes. Ohne zu persönlich zu werden: Es war eine Szene, in der sehr klar wurde, wo ich Verantwortung übernehme – und wo ich mich bisher zurückgehalten habe.
In dieser Imagination tauchten Aspekte auf, die ich theoretisch längst „kannte“, die aber erst im inneren Bild wirklich Gewicht bekamen. Genau das ist für mich die Kraft der Aktiven Imagination: Nicht nur zu verstehen, sondern in Kontakt zu kommen – mit Anteilen, Bedürfnissen und Grenzen, die sich im Alltag leicht übergehen lassen.
Verantwortung neben Therapie: Wie ich Aktive Imagination nutzen möchte
Ein zentrales Learning aus der Aktive Imagination Fortbildung war für mich die Frage nach Verantwortung: Wo beginnt Therapie, und wo hört Coaching oder Supervision auf? Mir ist noch klarer geworden, dass ich nicht therapeutisch arbeiten möchte – und dass ich das in meiner Kommunikation und in meinen Angeboten transparent machen will.
Gleichzeitig habe ich gespürt, wie wertvoll es ist, Elemente der Aktiven Imagination verantwortungsvoll in Coaching und Supervision zu integrieren. Für mich heißt das konkret:
Ich nutze Aktive Imagination, um innere Bilder sichtbar zu machen, Ressourcen zu aktivieren und Selbstkontakt zu vertiefen.
Ich achte auf klare Rahmen, Zielklärung und Grenzen – und verweise weiter, wenn ein Thema in ein psychotherapeutisches Setting gehört.
Aktive Imagination ist für mich kein „schnelles Tool“, sondern eine Haltung: Ich begleite Menschen dabei, ihren eigenen Dialog mit dem Unbewussten zu führen – ohne Diagnostik, ohne Heilversprechen, aber mit hoher Achtsamkeit.
Was ich für eigene Workshops mitnehme
Sehr hilfreich fand ich den Aufbau der Fortbildungseinheit: eine gute Portion Theorie, gefolgt von einer ersten, überschaubaren Aktiven Imagination in der Gruppe. Dieser Mix hat mir gezeigt, wie Einstiegssituationen aussehen können, in denen Menschen neugierig, aber vielleicht auch noch unsicher sind.
Für meine eigenen Workshops nehme ich mit:
Ein klarer theoretischer Rahmen schafft Sicherheit.
Eine erste kurze Imagination erlaubt einen vorsichtigen Kontakt mit den eigenen Bildern.
Raum für Austausch im Anschluss hilft, Erlebtes zu sortieren und zu integrieren.
Genau so möchte ich künftige Einführungsformate gestalten: verständlich, erfahrungsorientiert und mit einem klaren Bewusstsein für Verantwortung und Grenzen.
Wie es mit der Aktiven Imagination weitergeht
Dieses Wochenende war für mich kein Start, sondern eine Vertiefung – und gleichzeitig ein Korrektiv. Mein Selbststudium der letzten Monate bekommt durch die Aktive Imagination Fortbildung eine fachliche Erdung, die mir persönlich guttut und meine Arbeit stabiler macht.
Wenn du selbst mit Aktiver Imagination arbeiten möchtest oder überlegst, sie in Coaching oder Supervision einzubinden, findest du auf meinem Blog weitere Artikel dazu – etwa zu den Grundlagen der Methode und zur Frage, wie das Ich den Dialog mit dem Unbewussten hält.